Oman 2022

14 Tage Roadtrip   

Tag 1


Ahlan wa sahlan! Nach einem erfreulichen Upgrade unseres Hinfluges über Istanbul auf Business Class landen wir ziemlich ausgeruht aber auch ein bisschen müde in Maskat. Es ist halb 2 Uhr morgens und wir kommen zügig durch die Kontrollen. Bei der Visaausstellung sammle ich trotz Müdigkeit ein bisschen Charme und ein paar Brocken Arabisch zusammen und erwirke gepaart mit meinem Lächeln mehr Visum im Land (14 Tage sind ohne Visum möglich, ich bekomme 27) und ein "Gute Nacht" auf Deutsch.
Eine SIM Karte später stehen wir schon mit Gepäck vor dem Flughafen, an dem es bereits herrlich nach Weihrauch riecht. Gegen 3 checken wir ins Guesthouse ein, in dem wir die zwei Tage bis zur Übergabe des Autos wohnen. Bis 12 Uhr Mittags holen wir Schlaf nach, bevor es zum frühstücken in den Stadtteil Mutrah geht. An der Corniche setzen wir uns ins Café am Hafen bevor wir das Mutrah Fort besichtigen, von dem man herrlichen Blick auf die Bucht und Berge hat. Es hat circa 25 Grad und es weht angenehmer Wind. Nach dem Fort (aus der Zeit der Portugiesen) schlendern wir durch den Souq, der in Masse noch geschlossen hat und fliehen vor einem Schwung AIDA Touristen in die kleinen Gassen. Ein Adapter steht auf der Einkaufsliste, außerdem müssen wir noch Geld wechseln. Bisher leben wir von einer Handvoll pakistanischer Rupien, die ich in Istanbul bereits in Omanische Rial gewechselt habe (zu einem grauenvollen Kurs, fürs Taxifahren und Frühstück hat es aber gereicht). Ein OMR ist aktuell etwa 2,45€ wert....
Zum Tagesabschluss fahren wir an den Qurum Beach, den Strand von Muskat. Pünktlich zum Sonnenuntergang und einen sehr redseligen Taxifahrer später schlagen wir dort auf, am Strand badet zwar niemand, man sieht aber zahlreiche Fußballmannschaften beim Training und daneben Familien beim Picknick. An der Waterfront essen wir zu Abend, bevor es zurück ins Guesthouse geht. Dunkel wird es hier schon ab etwa 17:30, wir setzen uns noch an die Routenplanung für die ersten Tage während die Frau des Betreibers die Dachterrasse mit kitschiger Weihnachtsdeko schmückt. Nach dem Design des Reisetagebuchs (was in einer große künstlerischen Aktion mündet) ist der Tag für uns zu Ende. 

Tag 2

Nach einem späten Frühstück um 9 fahren wir in Richtung Sultan Qaboos Grand Mosque. Die Moschee ist sozusagen das Aushängeschild von Maskat und sehr neu (2001). Mein weißes Shalwar Kamiz ist den Herren vor der Moschee nicht recht (zu kurz, zu transparent) und ich leihe mir unter strengen Blicken eine Abaya. Durch einen sehr schönen Garten spazieren wir zu der riesigen Moschee und bewundern die Mengen an Marmor, Gold und wunderschönen Gravuren. Im Inneren fällt zuerst ein gigantischer Kronleuchter auf, der in der reich verzierten Kuppel hängt. Prunkvoll und modern trifft das Ganze am besten - edle Teppiche treffen auf Ornamente, Säulen und bunte Glasfenster. Als wir später im Schatten der Bäume auf einer Bank sitzen spricht uns ein Guide an, der natürlich den Auftrag hat, den Besuchern den Islam näher zu bringen. Bei Datteln und Tee lässt sich der Vortrag gut aufnehmen, eine theologische Grundsatzdiskussion vermeiden zum Glück die Öffnungszeiten der Moschee für Ungläubige, die sich dem Ende zuneigen. Die nächste Station ist das Militärmuseum in Ruwi, wo die "Suktan's Armed Forces" vorgestellt werden. In einem alten Fort, das früher tatsächlich Militär beherbergte, wurde mit viel Liebe zum Detail ein tolles Museum gestaltet. Unser Guide Usama nimmt seine Aufgabe ernst und führt uns durch die 22 Räume und den Ausstellungsgarten. Von den Portugiesen, der British India Company bis zum Dhofar Krieg (war mir in seiner Thematik gänzlich unbekannt) wird alles detailgetreu beschrieben (die Feindlage und Erfolge im Krieg allerdings weniger detailliert), gesäumt von einer Menge Waffen und Geschenke an den Sultan. Im Innenhof des Gebäudes flattert ein Fallschirm und leider ist die Zeit bis zur Schließung des Museums viel zu schnell zu Ende. Zur Mittagshitze macht alles zu und öffnet wieder gegen 17 Uhr. 
Zu Mittag gibt es Indisch, da Ruwi das Viertel der Inder und Pakistaner ist. Das indische Restaurantpersonal wird mit meinem brüchigen Urdu beschallt und freut sich, den Hintergrund mit Pakistan tue ich zur Sicherheit erst nach dem Essen kund...
Gestärkt geht es weiter nach Old Muscat, eine Bucht gesäumt von zwei imposanten portugiesischen Forts. Zwischendrin liegen geschützt der Sultanspalast, Regierungsgebäude und seeehr viele Museen. Wir entscheiden uns nach einem Spaziergang für das Beit al Zubair, das die omanische Kultur darstellt. Vom traditionellen Khanjar-Dolch (sehr schick!), dem Nationalsymbol bis zu Kleidung, Waffen und Briefmarken gibt es alles zu sehen. Der Besuch endet im kleinen Café im Schatten des Innenhofes. 
Zurück in Ruwi bummeln wir durch den Souq und stärken uns mit einer frischen Kokosnuss für eventuelles Shopping, bei dem wir dann auch erfolgreich zwei Hemden erstehen. Mittlerweile ist es schon dunkel und wir lassen den Tag in einem traditionellen Restaurant im Hafen Maskats ausklingen.


Tag 3

Der Tag beginnt früh mit der Übernahme unseres Toyota Fortuner und der Campingausstattung. Wir laden Stühle, Kochgeschirr, einen Tisch, eine Campingdusche und zusätzliche Wasserkanister in den geräumigen Kofferraum, unser Gepäck  und Ausstattung für die Wüste landen auf der Rückbank. Dann geht es zum Einkaufen und zur Tankstelle (eine Tankfüllung Benzin ca. 35€), bevor wir unser heutiges Tagesziel ins Navi eingeben: den Jebel Shams. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie "Berg der Sonne" und mit über 3000 Metern ist er der höchste Gipfel des Omans. Über eine gut ausgebaute Autobahn fahren wir in Richtung Süden in die Berge. Auf den Jebel Shams selbst kommt man leider nur in Teilen, da dort militärisches Gelände und eine Radarstation ist. Unser Weg wird unwegsamer und führt uns ins Dorf Al Khitaym, wo der "Balcony Walk" startet. Man blickt ins Wadi Ghul, einen gigantischen Canyon, während man zwischen Ziegen und omanischen Touristen direkt an der Kante zum Wadi entlang spaziert. Weil die Sonne schon recht tief steht wandern wir die 3 Stunden nicht komplett, da wir noch einen Stellplatz für die Nacht suchen müssen. Nicht weit weg finden wir eine schöne Stelle auf dem Hochplateau mit Blick auf die Berge im uns herum. Nach dem Aufbau wird gekocht, es gibt Pasta mit Tomaten und Thunfisch, bevor wir eine logistisch brauchbare Ordnung im Auto einrichten. Gegen 17:30 wird es dunkel, wir sitzen noch am Tisch und genießen den Sonnenuntergang, bevor uns der leichte Wind ins Dachzelt treibt.  


Tag 4


Gegen 8 Uhr weckt uns eine Ziegenherde, die geräuschvoll um das Auto läuft und den Gaskocher als Objekt der Begierde wählt. Langes Geschepper später erheben wir uns und genießen die Bergkulisse beim Zähneputzen. Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen, die wir in den ersten Sonnenstrahlen verzehren. Danach führt uns unser Weg nach Nizwa, in die Stadt der Silberschmiede. Leider haben die Omanis große Freude an einer kompletten "Restauration", die man auch mit "Überbauen" betiteln könnte. Fast alle Gebäude des alten Souqs sind überarbeitet bis quasi neu, was ich sehr schade finde. Da es gerade Mittagszeit ist, besuchen wir zuerst das beeindruckende Nizwa Fort. Es hat einen gigantischen Turm und die Festung wurde nie eingenommen - wenn man sie besichtigt versteht man auch gut, weshalb. Neben Fallgittern in Treppen, in deren Schächten Angreifer mit heißem Dattelöl (!) verbrüht wurden oder einer Befestigung, deren Kanonen eine Verteidigung 360 Grad ohne jegliche tote Winkel zulassen. Selbst die Briten scheiterten angeblich in den 1950er Jahren im Jebel Akhdar Krieg daran...

Nach dem Fort schlendern wir durch den Souq und essen zu Mittag, bevor es über einen Supermarktstopp nach Ibra weiter geht. Dort ist es weniger touristisch und im einheimisch geprägten Main Market suchen wir wichtige Dinge wie einen USB Converter und Kerzen (ersteres: einfach, zweiteres: wahnsinnig schwer, weshalb auch immer). 

Als wir aus Ibra weiter fahren, ist es bereits dunkel. Unser Ziel ist eine Tankstelle im Norden der Wahiba Sands Wüste. Dort treffen wir uns morgen mit vier anderen Reisenden, mit denen wir als Gruppe die Wüste von Norden aus bis zum südlichen Ende durchqueren wollen. Aus Sicherheitsgründen ist es ratsam, sich mit mindestens einem anderen Fahrzeug oder einem Guide zusammenzutun, mindestens eine Nacht im der Wüste ist auch geplant. In der Nähe der besagten Tankstelle ist es schon sehr sandig, wenig südlich beginnt die Wüste. Im Dunkeln bauen wir zwischen ein paar Dünen und Häusern auf und kochen schnell. Der Himmel ist sternklar und sehr sehr schön, im Gegensatz zu den Bergen sind die Temperaturen auch noch angenehm warm. Wenig später geht es dann auch schon in die Waagrechte, morgen früh muss noch getankt und neues Eis für die Kühltruhe gekauft werden. Falls die nächsten Tage in der Wüste kein Netz sein sollte, wünsche ich allen Mitlesenden frohe Weihnachten!

Tag 5

Um kurz vor 9 treffen wir uns mit drei anderen Autos und deren Besatzungen an der besprochenen Tankstelle. Wir tanken ein letztes Mal vor der Wüste voll und füllen das Eis in der Kühltruhe auf, bevor es los geht. Im letzten Ort vor Wüstenbeginn, Al Mintirib, lassen wir einen Teil der Luft aus den Reifen, um besser auf Sand fahren zu können.  In Reihe fahren wir los, das vorderste Auto navigiert, der Rest fährt mit genügend Abstand hinterher. Wir haben zwei "Desert Kits" dabei, die aus Sandboards und Schaufeln bestehen. Bereits an der ersten Düne fahren sich andere Autos fest und das Bergen beginnt. Es bleibt spannend, denn bis man ein Gefühl für den Sand und die Steigungen hat dauert es. Der Weg ist teilweise kaum sichtbar und führt vorbei an Kamelfarmen, Wüstencamps und Omanis, die teure Autos die Dünen hinaufquälen. Irgendwann lässt die Spur des Menschen nach und es geht nur noch die Dünen auf und ab, Sand und minimale Vegetation säumen den Weg. Nachmittags erreichen wir eine Moschee völlig im Nichts und suchen unsere Stellplätze für die Nacht. Es ist noch verhältnismäßig früh und nach einer Runde Sport mit einem großen Wasserkanister sitzen wir noch in der Sonne und lesen. Zu Abend gibt es Baked Beans mit Ei und Tomaten, bevor wir den Sternenhimmel bewundern. Unter der Milchstraße sitzen wir im Sand und verrenken uns dir Köpfe nach den Sternen. Ein leichter Wind zieht auf und uns verschlägt es ins Zelt, da das viele Bergen aus dem Sand anstrengend war. 


Tag 6

Der Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang über den Dünen, zum Frühstück gibt es Rührei mit Brot, da unsere Eier durch die gestrigen holprigen Dünenfahrten leicht angeschlagen sind (im wahrsten Sinne des Wortes...). Es ist sehr schön warm, circa 25 Grad, und in der Ferne leuchtet das Weiß einer Moschee mitten in der Wüste. Gegen 9 setzen wir die Fahrt fort, viele Dünen und generell das Fahren im Sand erfordern viel Aufmerksamkeit. Zum Schluss werden die Dünen immer höher und steiler, bis wir endlich das Meer als hellblauen Streifen am Horizont sehen können. In einer Beduinensiedlung am Rande des Sandes halten wir und pumpen die Reifen wieder auf, bevor es auf der Straße in Richtung der nächsten Tankstelle geht. Den Stopp verbinden wir und die drei anderen Autos mit einem Mittagessen. Wir sind mitten im Nirgendwo - alles ist voller Fischerboote, Lastwagen, Möwen und fast Fischern. Man fühlt sich wie an einem Umschlagplatz für Fernfahrer für Fisch, was es glaube ich auch ist. Das einzige Restaurant ist voller Fischer, deswegen bleiben wir. Es gibt als einziges Gericht Hühnchen mit Reis und wir nehmen Tisch an Tisch mit den Einheimischen Platz. Das Essen ist fantastisch, es kostet pro Person 1 OMR, also circa 2,50€. An der Tankstelle füllen wir noch ein paar Vorräte auf und machen uns auf den Weg nach Bar al Hikman, einer Landzunge südlich der Wahiba Sands. Die Beschreibung "monoton" trifft die Straße gut, die mitten durchs nichts führt. Die erste Abzweigung führt uns auf schlammigen Untergrund, da wir ausschließlich nach GPS und Karte fahren. Eine Straße gibt es nicht zu diesem Punkt. Der salzige Schlamm führt zu einer Bergeaktion per Seil, denn es wird sich so wie gestern schnell festgefahren. Durch die schwere Routenfindung und Bergeaktionen kommen wir nur langsam voran und erreichen den Strand von Bar al Hikman erst kurz vor 5. Im Sonnenuntergang suchen wir einen Stellplatz aus und ich gehe eine Runde Muscheln sammeln, das weckt Kindheitserinnerungen. Das Strandgut an dem Strand ist fantastisch und ich sammle einen großen Beutel. Zuletzt stoße ich allerdings auf die Überreste einer Schildkröte...

Als wir zu Abend essen ist es schon dunkel, danach sind wir noch zu einem Lagerfeuer eingeladen. Plötzlich fällt am Strand jemandem auf, dass alles in der Brandung leuchtet - biolumineszente Algen oder Plankton bilden einen schimmernden Streifen in der Dunkelheit und tanzen in den kleinen Wellen. Zurück am Zelt hoffen wir, dass wir weit genug von der Flut weg stehen und begeben uns unter Meeresrauschen ins Zelt.


Tag 7

Wir werden dadurch wach, dass das Zelt sich durch die Sonne zu einer Sauna verwandelt und suchen schnell das Weite an der frischen Luft. Der erste Weg führt sofort ins türkise Meer und es gibt den obligatorischen "morning swim". Ein Pfannkuchenfrühstück macht den Morgen nur noch besser und wir entspannen bis Mittags am Strand. Es hat gute 30 Grad und der Strand ist fast puderweiß, wüssten wir nicht, dass wir im Oman sind, würden wir auf Miami Beach (Bernhard) oder die Karibik (ich) tippen. Akribisch sortiere ich noch meine Muschelsammlung (10 kg Luft beim Fkuggepäck sind ja auch nicht die Welt) und wir baden eine letzte Runde.

Kurz nach 12 machen wir uns mit einem anderen Auto auf in Richtung der Sugar Dunes. Die großen Dünen sind der südlichste Punkt unserer Route und sind zumindest weniger kompliziert als Bar al Hickman zu erreichen. Einen Tank- und einen Einkaufsstopp in einem Fischerort später passieren wir Horden von Möwen und andauernden Fischgeruch bis zu einer kleinen Landzunge, wo es in die Dünen geht. Das Navigieren in den letzten zwei Tagen braucht wahnsinnig viel Zeit, da man die Küste fast komplett Off-Road befährt und ständig aufpassen muss, sich nicht im feuchten Sand festzufahren. Mit den anderen beiden Deutschen sind wir aber ein eingespieltes Team und schlagen pünktlich vor Sonnenuntergang an den Dünen auf. Wie die Vögel auf der Stromleitung sitzen ein paar andere Camper auf den Dünenkämmen und schauen dem Sonnenuntergang zu, nachdem der Stellplatz gefunden ist, gesellen wir uns dazu. Der Sand ist hell und sehr sehr fein, vor uns erstreckt sich eine große, weite Dünenlandschaft, hinter uns rauscht das Meer. Das Abendessen lassen wir ausfallen (im Auto gab es eine Tüte Cracker) und genießen den warmen Wind und einen Strandspaziergang, bevor es schlafen geht.


Tag 8

Geweckt von Sonne und Meeresrauschen steigen wir aus dem Zelt und genießen den feinen Sand unter den Füßen. In der Sonne wird gefrühstückt, dann bleiben wir einfach sitzen und genießen die Wärme und die Schönheit der Natur. Ich lese ein bisschen und wir klettern noch eine Runde auf den Dünen herum, dann packen wir langsam ein. Uns steht heute eine gute Strecke bevor, denn wir fahren wieder nach Norden und unsere Geschwindigkeit ist etwas verlangsamt. Wir vermuten ein Problem mit den Querlenkern oder den Radlagern und sind vorsichtig. Auf der, Zitat Reiseführer:".... Strecke, die an Monotonie nicht zu übertreffen ist...", fahren wir Richtung Norden. Die Route stellt uns vor ein paar Herausforderungen, da wir um Kilometer zu sparen wieder ein unbesiedeltes Gebiet westlich der Wüste queren. Die Straßen sind rumpelig und unbefestigt, manchmal hat man Netz, manchmal nicht. Mittlerweile haben wir den Dreh raus (Geschwindigkeit schafft Sicherheit) und anstatt mit 20 km/h brettern wir jetzt mit 100 km/h durch eine Mars-ähnliche rötliche Landschaft. Tagelang haben wir uns gewundert, warum die Einheimischen mit derartigen Geschwindigkeiten über diese "Wege" fahren, jetzt spüren wir es: es ruckelt viel, viel weniger. Fahrspaß ist auf jeden Fall gegeben!

Gegen Ende der Marslandaschaft finden wir einen schönen Stellplatz, die Umgebung hat fast etwas Savannenflair. Als wir am Tisch das Abendessen vorbereiten hören wir plötzlich ein leises Zischen und die Befürchtung bestätigt sich, wir haben ein Loch im Reifen. Uns bleibt nur etwa eine halbe Stunde Helligkeit um den Reifen zu wechseln, leicht panisch prüfen wir das Vorhandensein des Wagenhebers und des restlichen Materials. Der Reifenwechsel kostet uns locker eine Stunde und viele Nerven, dann ist es aber vollbracht und es gibt das verdiente Abendessen. Nach dem Stress mit dem Auto entspannen wir noch ein bisschen, auch ohne die Sonne hat es noch um die 25 Grad. Im Dunkeln studieren wir noch den Mietvertrag des Autos, wer denn jetzt den kaputten Reifen flickt bzw. ersetzt (Spoileralarm: vermutlich wir). Ich bin schon gespannt auf die Konversation in einer hiesigen Autowerkstatt. Vor den Mücken fliehen wir dann allerdings doch ins Zelt, außerdem klingelt der Wecker morgen wieder früh.


Tag 9

Von der Geräuschkulisse im Zelt eingesperrter Mücken wachen wir schon um kurz vor 7 auf. Es ist ein bisschen bewölkt und für die Umgebung von Muscat gibt es eine Regenwarnung, daher lassen wir das nahegelegene Wadi aus unserer Planung aus (durch überraschend überflutete Wadis sterben viele Menschen). Als wir Zähne putzen werden wir Zeuge einer Kamelherdenverbringung, das Ganze läuft so ab: das Leittier wird an einem Auto geführt, das Schrittgeschwindigkeit fährt. Die restlichen Kamele laufen ohne Leine hinterher, so zumindest der Plan. Eines grast lange neben uns, bis sein "Nachfolger" im Marschband es wieder anschubst. Der Kamelbesitzer fährt auf dem Rückweg bei uns vorbei und ist nur mäßig erfreut über unseren Stellplatz, als ich ihm deutlich mache, dass wir schon auf dem Sprung sind, ist er wieder sehr freundlich und schüttelt uns die Hände. Vermutlich stehen wir auf seinem Land, also packen wir schnell zusammen und fahren nach Ibra. Heute ist vormittags Frauenmarkt, ein spezieller Souq nur von und für Frauen. Er findet neben dem Krankenhaus statt, da früher die Frauen ihre Untersuchung dort mit Handarbeiten zu finanzieren versuchten. Dies nahm irgendwann die Form eines kleinen Marktes an, der dann zum offiziellen Ereignis wurde. Als ich den leicht abgeschotteten Marktbereich betrete ist es wie in einer anderen Welt. Alles ist voller traditionell gekleideter Frauen, die sich unterhalten, feilschen und Freundinnen treffen. Wunderschöne bunte Stoffe liegen neben traditionellen goldenen Bordüren, aus denen ein lokaler Beinschmuck am Ende der Hose hergestellt wird. Es glitzert überall von Steinchen und Pailetten, zwischendrin wird Weihrauch und allerhand anderer Duft verkauft. Die Atmosphäre ist intensiv, der Markt ist kein touristisches Event und lange bin ich die einzige Ausländerin zwischen den Ständen, daher blieb meine Kamera auch aus. Die bunten und handgemachten Artikel sind wahnsinnig hübsch und ich kaufe ein bisschen ein, alle sind sehr nett. Wir verständigen uns mit Hand und Fuß und ein paar Brocken Arabisch.

Nach diesem atemberaubenden Erlebnis steht die Autowerkstatt auf dem Programm, um unsere Querlenker und Reifen checken zu lassen. Alles geht sehr fix, ein Shop überweist uns zum anderen und während geprüft wird gehen wir ein frühes Mittagessen zu uns nehmen. Bei unserer Rückkehr ist das Problem gefunden und gelöst: all der getrocknete Sand/ Matsch/ uvm. in den Reifen waren so schwer, dass eine Unwucht erzeugt wurde. Es wird also quasi Stein aus den Felgen gemeißelt, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Wenig später sind wir wieder "on the road" Richtung Ostküste. Hier wollen wir eine Nacht am Strand verbringen, denn Einschlafen mit Meeresrauschen kann keine Wüste toppen. Durch viele Städte geht es mit neuem Fahrgefühl an einen großen Strand, an dem wir fast alleine stehen. Es ist windig und die Wellen tosen, nach einem wunderbar gekochten Abendessenesen und ein halbes Buch später geht es dann ins Zelt. 






Tag 10

Heute ist unser designierter Strandtag! Noch vor dem Frühstück geht es ins Meer, windig ist es nach wie vor aber bei knallender Sonne ist das eine willkommene Abkühlung. Der Vormittag steht ganz im Sinne der Entspannung, wir liegen faul in der Sonne, lesen und essen Baklava. Abgesehen von meinem Sonnenbrand verläuft alles sehr unspektakulär, gegen 13 Uhr bauen wir ab und fahren ein Stück die schöne Küste abwärts. Die Orte liegen direkt am Wasser und in den Häfen tummeln sich Fischerboote und traditionelle Dhow-Boote. Unser Ziel ist nur 50 km weiter: Für eine Nacht haben wir uns in einem Hotel eingebucht um eine Grundsauberkeit von Mensch und Material wieder herzustellen, nach Wüste und Strand ist der Sand quasi überall. Mit dem Wäsche waschen geht es los, eine Wäscheleine wird quer durchs Wohnzimmer gespannt und das große Waschen und Entsanden beginnt. Zuletzt sind wir dran, bevor es für mich eine Runde zum Sport geht. Das Hotel hat einen kleinen, aber brauchbaren Kraftraum und nach Pool ist mir nach den schönen Stränden sowieso nicht. Gegen Abend brechen wir zum Abendessen nach Al Ashkara auf und lassen uns in einem Restaurant gegenüber der Moschee nieder. Aus dem Nichts stürmt eine Horde Kinder herein, isst zu Abend und belagert aufgeregt unseren Tisch. Besonders Bernhards Tattoos faszinieren sie sehr (da im Islam verboten). Auch während des Essens herrscht wildes Geplapper und immer wieder dringen aufgeregte Ausrufe zu uns. Das Essen ist vegetarisch und sehr gut, dazu gibt es tolle Parathas, die mich an Pakistan erinnern. 

Zurück im Hotel wird noch alles sauber neu eingepackt, damit wir nicht alles am Tag vor dem Rückflug machen müssen. Wir haben noch 3 Nächte mit dem Mietwagen und Dachzelt vor uns. Begleitet von Meeresrauschen und Wind freuen wir uns über wir das echte Bett und unser Rücken dankt es uns ebenfalls.


Tag 11

Das Erwachen in einem vernünftigen Bett und in der Nähe eines Badezimmers ist durchaus komfortabel, genauso wie das Frühstücksbuffet. Gestärkt fahren wir über die Oasenstädte Bani Bu Ali und Bani Bu Hassan, die beide die Hauptsitze der gleichnamigen Stämme sind. Hier werden unter anderem Datteln angebaut und wir fahren durch prächtige grüne Plantagen. Nach knapp 2 Stunden und einem Tankstopp erreichen wir die Hafenstadt Sur. Hier findet man die Werften für die traditionellen Dhows, die echte Handwerkskunst sind. Wir spazieren die Promenade entlang und überbrücken die Mittagshitze in einem Restaurant, bevor es zur Besichtigung einer Dhow Werft geht. Dort stehen zahlreiche halbfertige Boote und Maschinen inmitten von großen Mengen Holz. Im Schatten schlendern wir umher und kaufen im kleinen Showroom noch ein paar schöne Dinge aus geschnitztem Holz ein. Durch den, in der  Mittagshitze sehr stillen, Souq geht es zurück zum Auto und wir fahren eine Stunde auf einer Küstenstraße mit tollem Panorama Richtung Westen zu unserem geplanten Stellplatz für die Nacht. Google Maps hat den "White Sand Beach" ausgespuckt, dort soll es hingehen. In der Nähe eines schönen Fischerdorfes begutachten wir den Strand und suchen uns einen ruhigen Abschnitt, da Wochenende ist stehen hier auch ein paar campingfreudige Omanis mit Zelten, in die auch eine Großfamilie passen könnte.

Zuerst geht es natürlich ins Meer (selbstverständlich fernab kritischer Blicke von Omanis), dann lesen wir noch eine Runde in der Sonne bevor es Abendessen gibt (heute: Rührei mit Gemüse). Sobald die Sonne untergeht wird es sehr schnell dunkel, der Mond scheint uns allerdings sehr hell an, während vor uns das Meer rauscht. Die Stellplätze am Strand sind definitiv die besten, finde ich!


Tag 12

Der Tag beginnt mit der morgendlichen Schwimmrunde und einem Pfannkuchenfrühstück, also nahezu perfekt. Nachdem wir dem Vormittag lesend in der Sonne am Strand verbracht haben, geht es Mittags ins Wadi Shab. Dieses Wadi ist eines der größten im Oman und auch gut besucht, allerdings zerstreut sich das alles auf dem langen Wanderweg ins Wadi hinein. Zu Beginn setzt man mit einem kleinen Boot über eine Art See, dann kann man loslaufen. Der Weg windet sich durch Palmen und Johannisbrotbäume, vorbei an kleinen Bananenplantagen und traditionellen Bewässerungskanälen (arab. falaj). 

Es wird immer malerischer, je weiter man in die Schlucht hinein gelangt. Schließlich treffen wir auf kleine Wasserpools in tiefem Türkis, die von einer Menge Grün umrandet werden, in der Ferne hört man einen Wasserfall. Der Weg schmiegt sich an die Felswand und geht dann über in leichte Kletterei über große Steine. Am den Felsen lassen sich frühere Häuser und Plantagen erahnen, immer mal wieder trifft man auf bewirtschaftete Erde. Auf einem erhöhten Platz lassen wir uns auf einem Felsen nieder, essen Oliven mit Crackern und genießen den Blick ins satte Grün, das wunderbar mit dem rötlichen Braun der Felsen kontrastiert. 

Wieder zurück im Auto fahren wir wieder ein Stückchen die Küste entlang Richtung Norden zum Ort Quriat. Hier haben wir auf Maps eine Handvoll Strände ausgemacht, einer von ihnen soll der nächste Stellplatz werden. Die Verkehrsführung in Quriat ist grauenvoll, keine Straße ist länger als einen Kilometer gerade und die Stimme von Google Maps lässt Ansagen im Sekundentakt ertönen (bis sie ausgeschaltet wird). Nachdem wir irgendwann einfach vor einem Felsen stehen, auf den die Straße geradewegs zu geht kapitulieren wir uns wechseln den Strand. Südlich von Quriat werden wir fündig, inmitten von Einheimischen parken wir auf einem Sand- und Kiesstrand. Die Stimmung ist entspannt, Frauen und Kinder bummeln im Sand und ein paar Fußballmannschaften trainieren in der Brandung. Zu Abend gibt es wieder Pasta mit Thunfisch, mit dem Baden warten wir, bis es dunkel ist (Zucht und Ordnung muss sein, der Rest der Frauen am Strand trägt Abaya...).

In einiger Entfernung leuchten die Lichter der Stadt, während wir den Abend ausklingen lassen.


Tag 13

Das neue Jahr beginnt so, wie das alte geendet hat: mit einem Bad im Meer. Allerdings bei Sonnenaufgang, den wir danach noch vom Strand aus beobachten bevor es Frühstück (Baked Beans) gibt. Unsere heutige Mission ist es, den kaputten Ersatzreifen flicken zu lassen, damit wir das Auto in gutem und vollständigen Zustand abgeben können und vermuten, dass der Vermieter uns einiges mehr dafür in Rechnung stellen würde. Auf dem Weg Richtung Maskat werden wir an einer Tankstelle mit einem "Tyre Shop" fündig. Das Personal ist sehr nett und begutachtet das Problem, sie brauchen nur 20 Minuten bis der eigentliche Reifen repariert und wieder mit dem Ersatzreifen getauscht ist. Wir verbringen die Wartezeit gegenüber in einem arabischen McDonalds und erfreuen uns an der neuen Produktvielfalt, die es in Deutschland nicht gibt (Fried Cheese Donuts!!). Bald leistet uns eine omanische Grundschulklasse Gesellschaft (sehr süß), verzieht sich dann aber unter lautem Geschrei in den ersten Stock ins Spieleparadies. Als das Auto fertig ist stellen wir fest, dass einer der Männer dort aus dem Iran kommt und es folgt eine schöne kleine Konversation auf Farsi. Unser Trinkgeld wollen die Arbeiter leider nicht annehmen, sie haben sogar "Happy New Year" mit einem Herzchen in den Staub unserer Heckscheibe geschrieben. Das ganze Vergnügen hat uns 8 Rial gekostet, hierzu ein Zitat von Bernhard: "Für das Geld schaut in Deutschland nicht mal jemand dein Auto an!".

Unter freudigem Winken fahren wir weiter.

Der nächste Stopp ist eine Art arabische Metro, in der wir noch ein paar Mitbringsel kaufen, dann geht es noch eine Runde auf den Souq von Mutrah, auf dem wir vor knapp zwei Wochen unser Sightseeing begonnen haben. Dieses Mal hat alles offen und wir kämpfen uns zielstrebig durch die Gewölbe, bis schließlich alle Geschenke erstanden sind. Zur Erfrischung gibt es eine frische Kokosnuss und das ist auch gut so, denn zurück am Auto stellen wir fest, dass wir ein Knöllchen bekommen haben (10 Rial, Schild am Parkplatz übersehen). Unschlüssig, wie das Bezahlen hier funktioniert blicken wir misstrauisch umher, sehen aber weit und breit keine Polizei oder Ähnliches. Daher werden wir den Zettel morgen vertrauensvoll mit einem 10 Rial Schein unserem Autovermieter übergeben.

Gegen zwei Uhr checken wir in unser Hotel für die letzten 1,5 Nächte ein, damit die morgige Autoübergabe ohne unser ganzes Gepäck stattfinden kann. Der Nachmittag steht im Zeichen der Siesta, abends geht es nochmal an die Corniche von Mutrah für traditionelle omanische Gerichte (z.B. Shuwa, sehr fein!). Auf dem Rückweg bummeln wir noch durch ein paar Geschäfte und widmen uns dem Reistagebuch, bevor der vorletzte Tag auch schon zu Ende geht.





Tag 14

Unser letzter Tag im Oman beginnt früh (Sonnenaufgang, Biorhythmus von gestern lässt grüßen) und wir haben viel Zeit, bis um 10 die Abgabe des Autos und der Campingausstattung folgt. Alles geht sehr schnell, wir drücken den Männern vom Autoverleih unseren Strafzettel in die Hand, woraufhin wir leicht misstrauisch nach weiteren Delikten gefragt werden (bisher keine, von denen wir wissen). Falls man aber geblitzt wurde, gibt es ein von uns hinterlegtes Safety Deposit, von dem das Ganze dann abgezogen wird. Beim Zelt findet ein fliegender Wechsel statt, denn die nächsten Urlauber sind schon im Aufbruch und es wird fleißig montiert, geschraubt und bepackt. Wir fahren noch in eine Mall, um die (nun wirklich) allerletzten Einkäufe zu machen und ich erstehe 1,5 Liter iranisches Rosenwasser. Hier stehen bestimmt 10 Sorten im Regal und das Vergnügen ist deutlich billiger als in Deutschland. Nach einer Runde durch ein paar Geschäfte packt uns der Hunger und wir gehen Mittagessen, das letzte Bargeld muss nämlich weg. Leider haben wir ja keinen Campingkocher mehr zur Hand. Es gibt eine wilde Mischung westlichen Essens und arabischer Desserts, ich futtere mich mit einer riesigen Schale Umm Ali (übersetzt: Mutter von Ali, ist ägyptischer Brotpudding mit Nüssen, Gewürzen und Rosinen) voll, sodass ich mich quasi um den Block ins Hotelzimmer Rollen könnte. War aber sehr sehr gut! Während der Mittagshitze, in der sowieso alles geschlossen hat, packen wir unsere Taschen und Entsanden die letzten Rucksäcke, bevor noch das Reistagebuch mit einer Menge aufgetauchter Relikte der Reise aufgefüllt wird (ein aufgesparter Geldschein, eine Menge Kassenzettel etc). 

Abends geht es nochmal in das traditionelle omanische Restaurant in Mutrah, das uns anfangs ein Taxifahrer (der Redselige) empfohlen hat. Es gibt Fisch und Harees Dijaj (Getreide-Huhn-Brei mit Dattelsoße, schmeckt wesentlich besser als es aussieht). Mit der abschließenden Fahrt zum Flughafen enden unsere zwei Wochen im Oman.

Das Land ist sehr dankbar für Roadtrips und Offroad Abenteuer, finden wir. So viele wechselnde Landschaften in so einem kleinen Land wie hier sind mir bisher nur im Libanon begegnet, da kann man aber nicht überall hin fahren und vor allem nicht überall campen, wo man möchte. Letzteres ist unschlagbar - man darf im Oman stehen, wo man möchte und wo es einem gefällt (und da, wo man bestenfalls nicht stecken bleibt...).

Die Menschen sind sehr höflich und vor allem sehr hilfsbereit, aber auch eher zurückhaltend, man muss aber definitiv zwischen den Omanis und den zahlreichen Gastarbeitern (Indien, Pakistan, Bangladesh) unterscheiden. Wir hatten unglaublich tolle und intensive zwei Wochen und haben bis auf den Süden (Dhofar) und Teile des Nordens, die eine Exklave sind (Musandam) fast alles bereist. Die Highlights waren definitiv die Offroad -  Abenteuer wie Bar al Hikman oder die Wahiba Sands! (Und es ist kein Klischee, es riecht wirklich fast überall toll nach Weihrauch!)

Wir verabschieden uns vom Oman und kommen gerne wieder!